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SUPPENKÜCHE

Die Suppenküche

Die „Armenspeisung“ hat in St. Joseph eine lange Tradition. Sie begann mit den Schwestern vom Christkönigsinstitut. In den Kriegs- und Nachkriegszeiten war das natürlich kaum möglich, denn die Schwestern hatten ja selbst nicht genug zu essen, weil alles rationiert und nur auf Lebensmittelkarten zu haben war. Als dann im Sommer 1989 die Schwestern zurück ins Mutterhaus nach Meitingen gingen, weil alle Schwestern 80 Jahre und älter waren, suchte Schwester Magdalena jemanden, der „ihre Männer" weiterhin versorgt. Damals hat Frau Marold noch mitgearbeitet, die aber auch schon 81 Jahre alt war und diese Arbeit nicht allein schaffen konnte. So sprach man mich an – und ich wollte es versuchen. Der „Versuch" dauert bis heute an.

In der ersten Zeit waren es selten mehr als 15 Gäste, die zum Essen kamen. Schon damals wurde zweimal in der Woche, immer mittwochs und donnerstags um 14 Uhr, ein Mittagessen ausgegeben und nach einer Pause belegte Brote und Kaffee gereicht. Finanziert wurde das alles von Spenden und der Caritas. Nach der Wende 1989 stieg die Zahl der Essen Erbittenden stark an. Es kamen auch immer mehr Frauen, die ebenso meine Gäste wurden.

Meine Gäste der damaligen Zeit waren sehr heruntergekommen. Es gab ja kaum Kleiderkammern und die Behelfsunterkünfte für die Obdachlosen waren sehr primitiv. 1992 haben wir mit mehreren Männern aus der Szene die Räume der Suppenküche renoviert, denn die Räume der Suppenküche – eine ehemalige Wohnung – waren wirklich s e h r verwohnt. Wir rissen einen alten Grudeherd raus, alle Fenster und Türen hatten Jahrzehnte keinen Anstrich bekommen, die alte Raufasertapete hing in Fetzen herunter. So war das Ganze eine monatelange Renovierung neben dem laufenden Suppenküchenbetrieb. Einige Jahre später wurde alles von der Gemeinde saniert und renoviert. Es wurden neue Elektroleitungen gelegt, Bad und Küche gefliest, die Küche bekam eingebaute Küchenmöbel, einen neuen Herd und einen 80 Liter Heißwasserboiler, anstelle des 5 Liter Boilers.

Der Zulauf der Gäste wurde nach 1991 extrem stark. Es waren 50 und mehr Gäste zu beköstigen. Ich achtete darauf, dass auch dann jeder am gedeckten Tisch saß. Auch ein Nachtisch wurde immer gereicht und belegte Brote. Kaffee und Tee waren immer ausreichend da. Das Tischgebet wurde nie vergessen und wird auch unbedingt gewünscht.

Die Unterstützung durch die Caritas wurde von Jahr zu Jahr geringer, bis sie ganz eingestellt wurde. So mussten meine Gäste dann 1 DM pro Essen zuzahlen, nach Einführung des Euros waren es 50 Cent, was natürlich nicht reichte. Der Rest wurde durch kleinere und größere Spenden, das Geld meines Ehrenamtspreises, der Erlös von einem Benefizkonzert in Aachen usw. aufgebracht.

Wegen der inzwischen gestiegenen Zahl von Suppenküchen und Wärmestuben in Berlin, hat sich der Besuch inzwischen auf 15 bis höchstens Mal 30 Gäste eingepegelt. Am Anfang des Monats ist immer etwas weniger Bedarf, weil halt noch Geld da ist.

Durch mehrere Fernseh- und Zeitungsberichte ist die Suppenküche St. Joseph sehr bekannt geworden, und ich habe schon aus den verschiedensten Bezirken Berlins und aus Westdeutschland Spenden bekommen.

Erwähnenswert ist noch die Weihnachtsfeier für Arme, Einsame und Nichtsesshafte am Heiligabend im Pfarrsaal von St. Joseph. Um 15.30 Uhr ist Einlass, um 16 Uhr wird das Evangelium vorgelesen. An sehr festlich gedeckten Tischen werden alle bedient. Es gibt Kaffee oder Tee und immer selbstgebackenen Apfel-Streusel-Kuchen und Christstollen. Zwischendurch wird Musik gemacht, weihnachtliche Geschichten vorgelesen und gemeinsam gesungen. Es kommen immer weit mehr Gäste als an den Suppenküchentagen. So gegen 19 Uhr gibt es dann selbstgemachten Kartoffelsalat und heißen Kasslerbraten. Dazu gibt es Säfte und Mineralwasser. Auf den Tischen liegen viele Mandarinen zum Verzehr. So ab 20 Uhr wird dann schon gedrängelt, dass es endlich das große Geschenkpaket gibt. Meist enthält es Socken, Unterwäsche, Handtücher, Hygieneartikel, Süßes, Kaffee oder Tabak. Im Pfarrsaal steht natürlich ein großer Weihnachtsbaum, den ich Tage zuvor mit einigen Männern geschmückt habe. Eine Krippe unterstreicht das christliche Fest.

Wenn Sie mal etwas Suppenküchenatmosphäre schnuppern wollen, so kommen Sie einfach zum Mittagessen um 14 Uhr, Mittwoch oder Donnerstag, vorbei. Sie finden uns in den Gemeinderäumen von St. Joseph: Willdenowstr. 8 a, parterre rechts. Die Haustür ist offen. Herzlich willkommen!. :

Ruth Manzischky

INFO-BOX  
Ort: Willdenowstr. 8a, 13353 Berlin
Zeit: jeden Mittwoch & Donnerstag von 14.00 - 16.00 Uhr
E-Mail:

 

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Pfarrkirche St.Joseph, Müllerstr.161,13353 Berlin und Gottesdienststelle St.Aloysius, Schwyzer Str.2, 13349 Berlin | Tel.030 / 92 10 614 -40, Fax: 030 / 92 10 614-50